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Es grünt so grün...

Kaum mit Worten zu beschreiben, ist die Tatsache, dass es überall auf der Farm herrlich grün ist. Das Gras spriesst, die Blumen blühen, ein lieblicher Duft liegt in der Luft - die Wüste lebt. Von einer schlimmen Trockenheit, mit nahezu prekären Zuständen und einem Überleben am Limit hin zu einer Farm die so voll Leben ist, dass es einem warm ums Herz wird. Viele Tieren, darunter die wunderschönen Oryxantilopen und Springböcke, kehren zurück und grasen zusammen mit den Pferden und Rindern. Ein traumhaftes Bild!

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Berührende Worte

Es war der 26. März, gebucht war eine morgendliche Hausbergrunde mit Mutter und Tochter. Zwei sehr aufgeschlossene und nette Frauen, die zusammen durch Namibia reisten. Dumbo und Attila trugen die beiden trittsicher auf den Hausberg und die Rund-um-Sicht beeindruckte einmal mehr. Der Tochter zuliebe gab es dann noch eine Galoppeinlage. Glücklich blickte ich in die Augen der Tochter, sichtlich erschöpft sass die Mama auf dem Pferd. Die Sonne stand schon hoch am Himmel als wir den letzten Kilometer zurück zum Cowboy Camp ritten. Dumbo’s Reiterin, eine Frohnatur und offene, ehrliche Frau, erzählte mir, dass sie seit 5 Jahren an einer Muskelerkrankung leidet und deshalb so schwach ist – und immer schwächer wird. Zum Abschied nahm sie mich in den Arm und entliess mich mit den Worte: „Danke, dass du mich mit diesem braven Pferd mitgenommen und so toll begleitet hast. Vielleicht habe ich das letzte Mal auf einem Pferd gesessen.“. Diese Worte berührten mich sehr und bestätigten einmal mehr die Entscheidung, knapp drei Monate hier in Namibia zu verbringen. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Es gibt nicht mal Heute. Es gibt nur das Jetzt.

So ein Mist

Die Pferde kamen das erste Mal vom Straussencamp rein, ein grosses Camp (eingezäuntes Areal) mit frischem, grünem Gras welches sich nach den Regenfällen prächtig entwickelte. Attila – wenn‘s ums Fressen geht, kennt der keine Gnade, mit Niemandem, zeigte sehr bald Koliksymptome und rührte sein Futter nicht an. Gar nicht gut! Ich beobachtete die Situation für einen Moment, als auch Gaucho anfing sich wiederholt hinzulegen und zum Bauch zu schauen. Das gibt‘s doch nicht! Beide rein ins Roundpen, hier ist die Verletzungsgefahr am geringsten und ich habe sie besser im Blick. Und logisch, wie soll ich sonst allein die Pferde in Bewegung halten!? Runde für Runde Schritt gehen. Warten. Schritt gehen. Ich hörte ein poltern und sah wie sich auch Milkshake hinlegte und drehte. Ja spinn‘ ich denn. Drei Pferde mit Bauchweh. Na Bravo. Aber im Grunde kein Wunder, seit 5 Jahren (!) ist es das erste grüne Gras für den Verdauungstrakt der Pferde. Vorerst kann man hier draussen nicht mehr machen als Bewegen, Beobachten und mit Homöopathie helfen. Gegen Mittag beruhigten sich die Bäuche der Pferde wieder und sie konnten in ihre Paddocks zurück. Milkshake hat mir einen riesen Haufen Mist vor die Füsse gesetzt. Herrje. Alles voll Würmer. Die müssen ihn so geplagt haben und erklärt vielleicht auch warum er nicht zunimmt. Sogleich wurde die Entwurmung aller Pferde organisiert und was da alles zum Vorschein kam, … ich erspare Euch genauere Details. Es war eine mistige Woche mit kritischem Blick für die Pferde und deren Ausscheidungen.

Timba, der Leopard

Es war am späten Nachmittag und beinahe windstill, die Sonne angenehm warm. Ich sattelte Dumbo, mit dem Gedanken draussen ein paar Pferde anzuschauen. Der Galopp über die weite, grüne Fläche - ein wahrer Genuss. Da sind sie auch schon. Die kleine Herde kam näher, ganz neugierig und mit gespitzten Ohren. Wunderbar aufgereiht, posierten die Damen für’s Foto. Smile. In der Ferne erblickte ich einen prächtigen Baum, mit mächtigem Stamm, in der Abendsonne ein perfektes Fotomotiv. Ich ritt hinüber und überlegte kurz abzusteigen um ihn ins rechte Licht zu rücken, als ich in meinem Augenwinkel eine Silhouette entdeckte, die mir schier das Blut in den Adern gefrieren liess. Die Silhouette, die ich im Gegenlicht wahrnahm, war gute 200 m entfernt, etwa kniehoch, langer Schwanz, spitze Ohren und von beeindruckender Statur. Mein Puls schlug mir bis an den Hals, ich bekam Gänsehaut und dachte nur SCHEI... Leopard! Bloss nicht den Jagdinstinkt auslösen und weggaloppieren. Auf einen Baum klettern? Blöde Idee. Krach machen! Ich liess einen Schrei ab. Nein. Mehrere schrille Töne kamen aus meinem Mund. Pferd Dumbo, und die Hunde Sammy und Floh schauten mich an und dachten wohl „Jetzt dreht sie völlig durch!“. Das Tier kam auf mich zu und ich stutze, weil die Hunde sich völlig ruhig verhielten. Ich hörte meinen Herzschlag im Ohr pochen und der vermeintliche Leopard, dreht sich zur Seite und entpuppte sich als Hund Timba. Er war uns nachgelaufen, dabei sagte Anke noch „der bleibt immer beim Farmhaus…!“ „TIMBA“ brüllte ich ihm mein ganzes Adrenalin entgegen. Er zog den Schwanz ein und drehte um. Auf dem Weg zurück musste ich lachen und schüttelte den Kopf…

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Rugby für Fortgeschrittene

Mit der kleinen Lorry schaukelten eine Handvoll mutiger Arbeiter (obwohl ich mir nicht so sicher bin, wer freiwillig dabei war), Wulff und ich auf die etwa eine Stunde entfernte Farm Korais. Hier warteten in einem Kraal, mehr oder weniger gut gelaunt, zahlreiche Kühe mit ihren Kälbern. Pünktlich mit unserer Ankunft öffneten die namibischen Wolken ebenfalls die Türen und es begann zu regnen. Sachte. Nun gut, es galt 30 Kälber zu protokollieren. Ohrmarken setzen oder vorhandene Nummer und Geschlecht notieren. Insektenmittel auftragen. Brandzeichen verpassen. Gesagt getan. Ich? In sicherem Abstand – hinter dem Zaun, mit einer Tüte voll Ohrmarken, Insektenmittel sowie Papier und Stift bewaffnet. Wohl bemerkt, es regnete immer noch. Mittlerweile etwas fester. Das Spiel begann. Sechs blaue auf der einen, ein brauner Spieler auf der anderen Seite. Die blauen Spieler hatten alle Hände voll zu tun, diesen wilden und unberechenbaren Spieler irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Ohrenbetäubendes Geheul, Tumult – und dann der Niederfall. Alle auf einen. So gemein. Wulff kicherte am anderen Ende des Kraals und wartete auf seinen Einsatz. Zack. Ohrmarke drin. Durch den Zaun wurde das heisse Eisen gereicht und verpasste dem „Opfer“ das Brandzeichen der Farm. Wiedermal haben die blauen Spieler gewonnen und der Geschlagene galoppierte fluchtartig davon. Kein Wunder. 27 weitere Spieler wurden zu Fall gebracht und für die bevorstehende Auktion in Mariental fertig gemacht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hut ab, ihr blauen Spieler, das war ein hartes Stück Arbeit, mit dem einen oder anderen blauen Fleck. Ach ja, mit den letzen zwei Kälbern wurden auch die Wolkentüren geschlossen.

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Hummeldumm

Die Einkausliste war überschaubar. Bier - zum Brot backen. Baker's Lemon Kekse. Zwei, drei Sachen für Anke. Da Wulff, auf Grund seines exzessiven Farmlebens, eher schwierig für einen Austausch zu erreichen ist, bot sich die gemeinsame Fahrt nach Helmeringhausen sehr gut an. Nach den sehr starken Regenfällen vor zwei Tagen und einigen Aussagen, dass die Pad eventuell noch nicht befahrbar wäre, erreichten wir Helmeringhausen um die Mittagszeit. Ohne Probleme. Ortseingang. Linke Strassenseite "Helmering Winkel" (hier kriegt der Tourist im vorderen Ladenteil und der Farmer im hinteren Ladenteil fast alles) und eine Tankstelle mit drei Zapfsäulen. Rechte Strassenseite kleines Museum und Hotel Helmeringhausen. Ortausgang. Ein Highlight bzw. MUSS eines Besuchs oder Stopps in Helmeringhausen: Applecake im liebevoll gestalteten und idyllischen Garten. Wie immer steht auch hier auf dem Schild, dass es der beste Apfelkuchen in Namibia ist. Vor dem Hotel parkte u.a. ein kleiner Reisebus, welcher eine Gruppe zusammen gewürfelter Touristen durch Namibia kutschiert. Mir kam sogleich das Buch Hummeldumm in den Kopf und ich musste Schmunzeln, als ich die Gruppenmitglieder erblickte. Das Hotel Helmeringhausen ist in dem Buch erwähnt und erfreut sich bei Touristen von grosser Beliebtheit. Mit einem wohligen Gefühl im Bauch, machten wir uns mit der gut beladenen Lorry auf den Heimweg. Wulff’s Worte: „die ist fair beladen“ und grinst. Für unsere Bandscheiben und die Stossdämpfer auf manchen Abschnitten gar nicht fair. Ab und zu tiefes Einatmen. Schwung holen. Konzentration. Lorry gut zureden und Daumen drücken, dass wir mit der schweren Lady nirgends im Sand versinken. Ende gut alles gut. Pünktlich mit einem Windhoek Lager in der Hand sitze ich zum Sundowner auf einem Felsen und tippe euch diese Zeilen.

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Kein guter Morgen

Ich wähle Wulff’s Nummer. „Einen schöööööönen guuuten Morgen“ ertönt es: „Ich weiss nicht ob er Morgen gut ist!“ erwiderte ich. „Oh!“ entgegnete Wulff. Ellie, die alte, in die Jahre gekommene Landrover Lady quittiert – mal wieder – ihren Dienst. Ihre Zuverlässigkeit lässt momentan zu wünschen übrig und entsprechend unentspannt bin ich. Vor allem im Hinblick darauf, dass ich in gut einer Stunde eine Reittour habe. Hilfe naht und die Pferde waren pünktlich gesattelt und bereit für die Gäste. Die Unzuverlässigkeit zog sich bis zu meiner Abreise hin. Batterie ausbauen, laden, einbauen. 4 Tage fahren und wieder von vorn. Naja irgendwann kennt man seine Pappenheimer.

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Wilde Tage

Kaum ist der Chef aus dem Haus… Während Wulff mit der grossen Lorry und unzähligem Federvieh auf dem Weg nach Windhoek zur Auktion ist, steht im Pferdecamp wieder eine Entwurmungsaktion an. Die neuen Pferde müssen „geimpft“ werden. Da das Wurmmittel unter die Haut gespritzt wird, müssen die Pferde einige Minuten ruhig stehen. Das ist bei den Neuzugängen leichter gesagt als getan, manche lassen sich noch nicht mal aufhalftern, geschweige denn anfassen. Immanuel hat die letzten Tage gute Vorarbeit geleistet und so konnten alle Hengste sowie die drei neuen Wallache entwurmt werden. Gut, wir brauchten den ganzen Nachmittag für die 7 Pferde, hatten uns diesen aber wohlwissend eingeplant. (Zum besseren Verständnis: Wir haben nun sechs Reitwallache, vier Hengste und ein Wallach der „biggi“ crazy ist und auf den Namen „Titan“ hört, zu versorgen. Die Reitwallache bilden eine Herde und die Hengste plus Titan.) Am nächsten Morgen dann eine unangenehme Überraschung. Das Tor zwischen den Hengsten und den Reitpferden war offen. Soweit noch nicht weiter tragisch, sind ja Wallache. Für gewöhnlich stehen die Reitwallache am Morgen vor dem Cowboy Camp und warten ungeduldig auf ihr Futter. Mir schwante allerdings Böses, als ich weiter zum anderen Ende des Camps lief, um die Reitpferde rein zutreiben und keinen Vierbeiner sah. Auch nicht als ich mich unmittelbar vor einem weiteren Tor befand – das ebenfalls halb offen stand. Mittlerweile sage ich auch den einen oder anderen Kraftausdruck auf afrikaans und so einer ist mir auch sogleich lautstark über die Lippen gekommen. Denn dieses besagte Tor, war das „Tor in die Freiheit“ und diese Freiheit erstreckt sich auf etwa 15000 ha. Mir kam das andere offene Tor wieder in den Sinn und dachte an die Hengste, welche hoffentlich vollzählig sind. Immanuel war auf dem Weg eben diese ins Cowboy Camp zu treiben. 1, 2, 3. Fertig. Herrje, ein Hengst und Titan waren ebenfalls verschwunden. Ausgerechnet diese beiden. Titan, wie der Name vermuten lässt, ein gross gewachsener Wallach der schon durch viele Hände gegangen ist, sehr misstrauisch und uns Tage zuvor schon sehr auf Trab gehalten hat, und Hengst Nr. 238, klein, hinterlistig, geschickt und ranghoch. Immanuel starrte mich ungläubig an und fragte ob er die Reitpferde holen soll. Tja. Ich berichtete ihm von den offenen Toren und das ich kein Pferd gesehen habe. Da auch ein Hengst fehlt, ist das ein grösseres Problem für die Herden draussen und so war klar, dass wir auf die Suche nach den verlorenen Pferden gehen mussten. Anmerkung: Ich mag es den Pferden von Herzen gönnen, über das grüne Feld zu galoppieren und sich satt zu essen, nach so langer Dürre. Aber das bedeutet für uns nun ein hartes Stück Arbeit. Ich beschloss das Auto zu tauschen (Ellie gegen Anke’s Land Cruiser). Ich kenne den Land Cruiser und bin ihn auch schon mehrmals gefahren, also hob rein ins Auto und los geht’s. Unzählige Startversuche, Batteriewechsel und anschieben half nichts. Das Auto quittierte seinen Dienst. Anke war an diesem Morgen auf dem Weg Richtung Helmeringhausen, um zwei ihrer Arbeiterinnen abzusetzen. Also nicht erreichbar. Für uns hiess es Warten. Kurz nach zehn kam Anke zum Farmhaus und ich berichtete über die Situation. Ein weiterer, spezieller Land Cruiser startete ebenfalls nicht! Pferde weg. Autos starten nicht. Klingt irgendwie nach Sabotage, nicht!? Nun blieb nur noch das gute Auto, der braune Land Cruiser. Gesagt, getan. Zwei Stunden lang bin ich über einen grossen Teil der Farm gefahren, habe unzählige Male durch das Fernglas über die Fläche geschaut. Nichts! Gar nichts zu sehen von unseren vermissten Pferden. Auch die Nachmittagstour hat kein zufrieden stellendes Ergebnis erzielt. Wie vom Erdboden verschluckt. Nur den guten alten Dumbo konnte ich unweit vom Tor einsammeln. Tag 2 der „Wiederbeschaffung“ bestand darin, die „ausrangierten“ Reitpferde vom Campsite Camp ins Pferdecamp zu bringen. So hatten wir wenigstens wieder 4 Reitpferde für allfällige Reittouren. Gegen Mittag bekam ich Nachricht von Anke, dass drei Pferde vor den Duschen bei der Campsite stehen. Juhu. Auf geht’s Dumbo! Die „Weichen“ (Tore) waren gestellt, jetzt mussten nur noch die Pferde mitmachen und sich treiben lassen. Und wie! Voller Energie galoppierten und bockten und quietschten die drei in Richtung Pferdecamp. Dumbo, mit mir oben drauf im Affenzahn hinterher, so dass mir ja keiner entwischt. Was für ein Spass. Zufrieden konnte ich meine Mittagspause machen und darüber nachdenken wie es weiter geht... Farmer Wulff wiegt sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Ahnungslosigkeit. Er hat genug andere Sorgen in Windhoek. Am Nachmittag ging die Suche nach den „verlorenen“ Pferden weiter, diesmal war der Plan, dass wir beritten auf die Suche gehen. Da Dumbo am Vormittag schon ein grosses Pensum absolviert hat und sein Bruder Roy nicht unbedingt der spritzigste ist, beschloss ich Gaucho zu reiten und Immanuel Moca. Gaucho hatte andere Pläne und kam sass ich im Sattel, bockte er wie wild los. Kopf zwischen die Beine und ab die Post. Herrje, das tat weh. Die zahlreichen blauen Flecke und Schürfwunden blieben noch eine ganze Weile erhalten… Ich wechselte vorerst auf Ellie und fuhr mit ihr raus. Leider war auch dieser zweite Tag nicht von Erfolg gekrönt. ABER, Immanuel und ich hatten einen Plan. Es gab einen Kraal, wo die Tore so geschlossen werden konnten, dass er als Sackgasse dient. Früh am Morgen des 3. Tages haben wir Dumbo und Moca gesattelt und ritten in Richtung Osten, der Kraal befindet sich im Westen. Im äussersten Ecke der östlichen Farmgrenze fanden wir dann auch 3 Reitwallache und Hengst Nr. 238, sowie einige Jungstuten. Die „Jagd“ ging los. Anders als Rinder, galoppieren die Pferde über eine längere Strecke und das hiess für uns hinterher bevor sie wieder abdrehen und in die andere Richtung entwischen. Nach drei Stunden hatten wir die kleine Herde im Kraal und ich muss sagen, so anstrengend wie es auch war, so unbeschreiblich war das Gefühl über die offene Weite zu galoppieren, querfeldein, ohne nennenswerte Hindernisse und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Eine grosse Herde Oryxe blieb wie angewurzelt stehen, nur wenige Meter von uns entfernt. Mein Herz klopfte bei diesem Anblick der edlen Antilopen, die sich wie kein anderes Tier Namibias an das Wüstenklima angepasst haben und den harten Bedingungen trotzen. Der letzte Akt war nun unsere Pferde von den wilden Jungstuten zu trennen und ins Pferdecamp zu treiben. Just in time war Anke mit dem Land Criuser da, um uns ein geschlossenes Tor zu öffnen und so konnten wir die Pferde Schnurrstracks nach Hause treiben! Genau, es fehlten noch drei, aber die bleiben vorerts draussen. Vier aufregende und auch schmerzhafte Tage liegen hinter mir, aber noch lange werde ich daran zurück denken. So ist das Farmleben, voller Überraschungen.

Ein Unikat namens Floh

Die erste Begegnung mit Floh ist nun schon viele Jahre her, mittlerweile ist er ziemlich grau im Gesicht und steht, vor allem am Morgen, wie ein alter Mann auf. Auch sonst ist er etwas ruhiger geworden und nutzt jede Gelegenheit zum Schlafen. Wenn also an einem Sonntag so gar nichts läuft, dann verpennt er diesen auch gern mal. Er folgte mir vom ersten Tag an, auf Schritt und Tritt. Immer dabei. Mittendrin. Auf den längeren Reittouren musste ich ihn einsperren, denn das war nun wirklich zu anstrengend für seine kurzen, alten Beinchen, obschon Floh das natürlich ganz anders sah und lautstark jaulte. Er bereitete mir sehr viel Freude und ich genoss seine Gesellschaft auf der Burg, auch wenn er sich den einen oder anderen Furtz nicht verklemmen konnte. Seine Blicke bleiben mir unvergessen und ich wünsche ihm noch viele tolle Jahre auf Koiimasis.

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Auf Viehtrieb: Kooooooomm‘, hopp, auf geht’s!

Den Anfang machten 7 Koiimasisrinder, welche sich fälschlicher Weise auf Landsberg befanden, der Nachbarfarm im Südosten. Die Strecke war überschaubar, die kleine Herde auch. Dann folgten 37 Rinder, welche sich auf der zweiten Farm Korais befinden. Mit dem Auto brauchten wir gut eine Stunde. Die Rinder befanden sich schon im Kraal und wurden nun nochmals von Wulff aussortiert. Ich hatte als schon so meine Bedenken wie es wohl klappt. Immanuel und ich sassen 6 Stunden Nonstopp im Sattel und trieben die Kühe und Bullen zurück nach Hause – nach Koiimasis. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir mit unseren Pferden Santana und Blueprint das Cowboy Camp. Hierzu noch eine Anmerkung: die beiden Pferde waren seit Oktober auf Korais und lebten dort wild und frei mit anderen Wallachen und Hengsten zusammen. Einfangen, Sattel drauf und sechs Stunden reiten. Kein Problem und für mich einmal mehr sehr beeindruckend. Es war Wulff’s Wunsch weitere Rinder nach Hause zu holen und so sind wir an meinem vorletzten Tag auf Koiimasis Richtung Korais gefahren um den Wunsch zu erfüllen. Jetzt wo das Gras so schön wächst, haben die Rinder ideale Bedingungen. Die Pferde Bobbele und Bobby wurden bereits eingefangen und warteten auf ihren Einsatz. Es galt 121 Kühe, Kälber und Bullen von Korais nach Koiimasis zu treiben. Der Weg war mir nun schon sehr vertraut und auch mit den muhenden Vierbeinern konnte ich mich langsam anfreunden. Aber meine Sorge galt schon sehr früh der grossen Anzahl, denn wie schon auf dem letzten Trail, waren wir nur zu zweit! Nach wenigen Kilometern zeigte sich auch, dass meine Sorge berechtigt war, denn die Bramanen waren sehr viel schneller unterwegs als die Mischlingsrinder. Und das nutzten die Schlawiner natürlich schamlos aus, indem sie jede Gelegenheit wahr nahmen um in die Hänge hoch zu klettern. Das hiess für uns, alle paar Meter hinterher. Hinauf. Anbrüllen. Hinunter. Immanuel pfiff sich die Seele aus dem Leib, während ich den Rindviechern meistens lautstarke Stimmkommandos entgegen brüllte. Zudem war die Zeit an diesem Tag nicht auf unserer Seite. Die Herde riss immer wieder auseinander und liess sich sehr schlecht treiben. Und so ging die Sonne am Horizont unter, während wir noch lange nicht in Sichtweite des Farmtors zwischen Landsberg und Koiimasis waren. Ich war stinksauer auf die Rinder, mein Rücken brannte, mein Magen knurrte. Weit hinten zeigten sich zwei Lichter, ein Auto war im Anflug. Mittlerweile war es Stockdunkel und wir konnten die dunklen Tiere kaum noch sehen. Wulff war von Landsberg auf dem Heimweg und gabelte uns quasi auf. Ein Ausbruch der Verwunderung kam über seine Lippen, hatte er uns doch schon längst Zuhause vermutet. Wir hatten uns das letzte Mal beim Farmhaus in Landsberg getroffen. Mit nun motorisierter Unterstützung schoben wir die 121 Rinder durch das Farmtor, sattelten unsere Pferde ab und fuhren mit dem Auto Heim – nach nunmehr 7.5 Stunden im Sattel. Glücklich, weil Wulff seine Rinder wieder auf Koiimasis Weideland hat und das alle gesund sind, aber auch erschöpft von dem langen, anstrengenden Tag.

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Der Himmel über Afrika

Unvergessen, diese unglaublichen Farbenspiele zum Sonnenuntergang und die Wolkenformationen vor, während und nach dem Regen.

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